Die Werkstatt A schließt ihre Pforten

Verein zur Förderung kollaborativer Innovation im Quartier A

Die Werkstatt A schließt ihre Pforten

März 28, 2022 Uncategorized 0

Der Verein Werkstatt A wurde am 30.10.2018, also vor fast 3,5 Jahren gegründet. Er besteht aus privaten Firmen und ganz besonders deren Vertretern, die viel Freizeit investiert haben. Sie wurde ausschließlich von Mitgliedsbeiträgen finanziert. In den Statuten steht dazu:

Die Tätigkeit des Vereins ist nicht auf Gewinn gerichtet und dient dem Gemeinnutzen. Der Verein bezweckt durch seine Tätigkeit die Chancen des Standortes Amstetten, im Speziellen dem revitalisierten Quartier A durch seine außerordentliche verkehrstechnische Lage in Kombination mit den sich bietenden Möglichkeiten der Digitalisierung und den angedachten neuen Wohnformen, aufzuzeigen und in weiterer Folge für die Region nutzbar zu machen.
[…]
Die Region soll im Weiteren durch die Aktivitäten des Vereins für qualifizierte Arbeitskräfte und Unternehmen als Standort mit hohem Potenzial wahrgenommen werden. Die Vernetzung mit Communities anderer Standorte mit ähnlichen – wenn auch lokal spezifischen – Zielen ist ausdrücklich erwünscht.

Als Vorreiter am Quartier A haben wir in den letzten Jahre sehr viel bewegt und waren der Nährboden für viele tolle Initiativen:

  • Der Makerspace A ist entstanden, wir haben ihm im Keller der Werkstatt A ein erstes zu Hause gegeben. Mittlerweile zählt der Verein mehr als 100 Mitglieder und hat die große Halle bei der ehemaligen Rädersenke bezogen.
  • Dem Reparatur-Cafe haben wir unser Vereinslokal am Standort der Remise zur Verfügung gestellt, mittlerweile sind auch sie aus Platzgründen in die Rädersenke übersiedelt
  • Regelmäßige Treffen von Softwareentwicklern, der sogenannte DevTreff fanden regelmäßig in der Remise statt.
  • Der größte Programmierwettbewerb Europas, der CodingContest, kam in die Remise.
  • Der Verein eSports Mostviertel wurde gegründet, der mittlerweile auch 30 Mitglieder zählt und eine Community von mehr als 600 Gamern aufgebaut hat
  • Wir haben das Summercamp 4 Kids der Zukunftsakademie Mostviertel mit Workshops in der Werkstatt A unterstützt.

Wir haben aber auch Firmen zusammengebracht, um den initialen Charakter einer innovativen Kollaboration hochleben zu lassen. Die Firma Deckweiss hatte ihr erstes Büro im Gebäude der Werkstatt A, die Firma Catalysts (heute Cloudflight, mehr als 900 IT-Spezialisten) hat dort einen neuen Standort gegründet, die beiden Unternehmen haben in vielen Bereichen zusammengearbeitet, und sind sich auch heute noch freundschaftlich verbunden. Deckweiss hat uns leider mittlerweile aus Platz- und Perspektivgründen nach Purgstall verlassen, Cloudflight hält den Standort in Amstetten an der Remise noch hoch und beschäftigt dort aktuell 12 Mitarbeiter. Ebenfalls in enger Kooperation war immer die Firma Best-IT, die jedoch aus Zeitgründen ein Büro am Amstettner Hauptplatz bezogen hat, sowie die Q2E.

Viele unserer Veranstaltungen in der Remise wären ohne die Firma mado Event Solutions nicht möglich gewesen, wir bedanken uns für die professionelle Unterstützung!

Ganz besonders haben wir als Werkstatt A aber auch unzählige Freizeit-Stunden in den Masterplan, die Raumplanung, Skizzen für das Zusammenleben am Campus, Bedarfserhebungen und vieles mehr investiert. Besonderen Dank hierfür an die Firma M.O.O.CON für die professionelle Unterstützung. Vieles davon wurde wieder verworfen, manches weiter verfolgt.

Ein Projekt der Größenordnung des Quartier A verlangt Geduld und Zeit. Zeit ist aber das, was viele unserer Mitglieder in ihren Firmen nicht haben. Die Welt dreht sich viel zu schnell, Entscheidungen müssen schnell getroffen werden, sonst wird man überholt.

In den letzten 3,5 Jahren haben wir viel geredet, haben auch immer wieder gewartet, uns zurückgehalten bzw. uns auch hinhalten lassen. Wir haben gelernt, dass manche politischen Entscheidungsprozesse lange dauern, insbesondere dann, wenn viele Entscheidungsträger dabei sind. Die anfängliche Euphorie musste nach und nach der Ernüchterung weichen, und trotz (oder auch wegen) vieler Gespräche auch im letzten Jahr mit Entscheidungsträgern mussten wir uns schließlich eingestehen, dass es für die Weiterführung des Vereins weder politische Unterstützung noch Wille gibt, und somit auch keine interne Motivation innerhalb des Vereins mehr, weiter Zeit zu investieren bzw. den Verein am Leben zu erhalten. Wir finden das sehr bedauerlich, weil wir immer der Meinung waren, dass es eine Gruppe von Personen braucht, die gezielt eine Community aufbauen und das Quartier A mehr als nur ein Wirtschaftspark mit ein paar Wohnungen werden muss. Diese Notwendigkeit des Vereins ist aber nicht mehr gegeben, und somit besteht auch kein Zweck mehr für eine Fortführung.

Wir haben daher im Vorstand einstimmig beschlossen, den Verein Werkstatt A aufzulösen.

Ein Abschied ist auch immer der Moment, in dem es gilt innezuhalten, und DANKE zu sagen. Zu allererst möchte ich mich persönlich bei allen Mitgliedern bedanken für die vielen, vielen Freizeitstunden insbesondere in den ersten beiden Jahren. Speziell erwähnen möchte ich hier meinen Stellvertreter Christoph Batik, unseren Kassier Martin Hinterleitner und Schriftführer Martin Kaltenbrunner. Vielen Dank!

Bedanken wollen wir uns auch für viele Gespräche mit den Vertreter aller politischen Parteien, mit denen wir teils wirklich sehr gute Gespräche hatten. Wir haben immer darauf geachtet, selbst unparteilich und ausschließlich der Sache zu dienen.

Mein besonderer Dank gilt aber auch den Initiatoren von Rettet die Remise, die durch ihren unermüdlichen Einsatz im letzten Herbst dem Projekt neues Leben verliehen haben, es in die öffentliche Wahrnehmung gebracht haben und für ihre Online-Petition mehr als 2.100 Unterstützer gesammelt haben. Wir hoffen für uns alle, dass eure Impulse schlussendlich auch ihren Weg in die Umsetzung finden.

Auch der kürzlich gegründete Verein Kreatives Mostviertel hat viel frischen Wind in das ganze Thema gebracht, vielen Dank für eure Energie!

Die Werkstatt A endet hier also. Wir hoffen aber, dass viele der Ideen weiterleben und schlussendlich zur Umsetzung kommen. Dafür wünschen wir Günther Sterlike von der WRA und seinem Team alles Gute und viel Durchhaltevermögen. Danke auch an dich Günther, für deinen unermüdlichen Einsatz für unsere Stadt und das Quartier A.

Wir als Verein Werkstatt A sind dankbar und auch ein bisschen stolz für all das, was wir bewegt haben, auch wenn wir uns alle etwas mehr gewünscht haben.

Die letzten Wochen haben uns aber auch gezeigt, dass es Wichtigeres auf der Welt gibt. Wir haben daher beschlossen, das restliche Vereinsvermögen in der Höhe von 8.000€ je zur Hälfte an den Verein Soziales Ybbs, das Kinder und Familien in der Ukraine in dieser so schwierigen Zeit unterstützt, sowie an Nachbar in Not zu spenden. Dort ist das Geld in jedem Fall besser aufgehoben, und so können wir zum Abschluss noch etwas Gutes tun, auch wenn es dem eigentlichen Vereinszweck nicht dient. Danke noch einmal an alle Mitglieder!

Das Ende der Werkstatt A ist aber nicht das Ende des Quartier A und der Entwicklung der Remise. Wir haben die Gleise für die Zukunft gelegt und wir hoffen, dass die vielen Gespräche, die wir auch noch in den letzten Monaten geführt haben, dazu führen werden, dass das Projekt auch in unserem Sinne umgesetzt wird, und sind schon gespannt auf die weiteren Schritte.

Dazu wünschen wir allen Akteuren alles Gute!

Herzlichst,
Klaus Lehner
Obmann Werkstatt A